Erneuerung von Dauerzählstellen

Auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg werden in regelmäßigen Abständen Verkehrszählungen durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen Zählungen dienen in erster Linie der Ermittlung der Verkehrsentwicklung in Hamburg sowie der Verkehrsplanung.

LSBG - Erneuerung von Dauerzählstellen - Hamburg - FHH

 

Aus den Daten der Verkehrszählung werden für jedes Jahr die „durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärken“ (DTV) als Kenngröße der Verkehrsbelastung eines Straßenquerschnitts ermittelt und auf einer Karte dargestellt. Unter Verwendung von mathematisch-statistischen Verfahren wird nach Durchschnittswerten aller Tage (DTV) und aller Werktage (Mo.-Fr., DTVw) unterschieden.

Die Grundlage für die Durchschnittswerte bilden etwa 30 Dauerzählstellen in der Stadt, welche die Verkehrsdaten automatisch erfassen. Zusätzlich existieren rund 300 Messstellen, an denen der fließende Kfz-Verkehr an repräsentativen Tagen stichprobenartig erhoben wird.

Die Auswertung der durch die Dauerzählstellen automatisch erfassten Verkehrsdaten erforderte bisher einen erheblichen personellen Zeitaufwand. Die Daten wurden nur lokal gespeichert und mussten daher vor Ort händisch ausgelesen werden. Im Sommer 2010 war ein Großteil der vorhandenen Zählgeräte am Ende ihrer technischen Einsatzzeit. Daraufhin wurde vom Amt für Verkehr und Straßenwesen ein neues Konzept für die Dauerzählstellen erstellt.

Ziel des Konzeptes war es, das Netz der automatischen Zählstellen auszubauen und die Datenqualität zu verbessern. Die Datenerfassung an allen vorhandenen Dauerzählstellen (damals 25 Standorte) sollte modernisiert und weitere Zählstellen neu eingerichtet werden.

Mit der Umsetzung der Maßnahme wurde der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) beauftragt. Der LSBG analysierte die technischen Anforderungen und nahm eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vor, schrieb die nötige Technik aus und führte die Baumaßnahmen durch.

Funktionsprinzip einer Dauerzählstelle

Die Aufgabe einer Dauerzählstelle ist es, die Verkehrsstärke permanent und automatisch zu erfassen. Fest installierte Detektorsysteme wie z.B. Induktionsschleifen, Radar-, Infrarot- oder Ultraschalldetektoren, Lichtschranken oder Videosysteme gewährleisten eine hohe Genauigkeit über einen längeren Zeitraum. In Hamburg werden in der Regel Induktionsschleifen für die Erfassung der Verkehrsstärke an den Dauerzählstellen verwendet, da sie eine zuverlässige Datenerfassung bieten. Funktionsweise einer Induktionsschleife (aus: Merkblatt über Detektoren für den Straßenverkehr, 1991)Eine Induktionsschleife ist ein Kabel, vergrößern Signalkurven für einen Lkw, Pkw und Bus (aus: Merkblatt über Detektoren für den Straßenverkehr, 1991) Signalkurven für einen Lkw, Pkw und Bus (Bild: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)) welches eine geschlossene Schleife bildet. Die Induktionsschleife wirkt dabei als Spule. Die stromdurchflossene Spule (Induktionsschleife) erzeugt ein elektro-magnetisches Feld (s. Abbildung "ungestörter Zustand" oben). Befindet sich ein metallischer Gegenstand (z.B. ein Fahrzeug) im Bereich der Induktionsschleife, so verändert dieser das elektro-magnetisches Feld (s. Abbildung "gestörter Zustand" oben). Diese Veränderung kann gemessen und als Signalkurve in einem Diagramm dargestellt werden (s. Abbildung rechts).

Verschiedene Fahrzeugarten erzeugen unterschiedliche Signalkurven. Mit vergrößern Erfassungsarten nach TLS (Quelle: BASt) Erfassungsarten nach TLS (Bild: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)) Hilfe einer Induktionsschleife kann somit nicht nur ein passierendes Fahrzeug erfasst werden, sondern es kann auch klassifiziert werden. Je nach Anforderung und verwendeter Detektorart können die erfassten Fahrzeuge mit unterschiedlicher Genauigkeit unterteilt werden: Möglich ist die Unterteilung in 2 Klassen, 5 Klassen plus nicht klassifizierbare Fahrzeug (5 + 1) oder 8 Klassen plus nicht klassifizierbare Fahrzeuge (8 + 1) (s. Abbildung links). Die Dauerzählstellen in Hamburg klassifizieren in 8+1 Fahrzeugtypen.

Umsetzung der Maßnahme

Der LSBG sichtete und aktualisierte die vorhandene Dokumentation der betriebenen Dauerzählstellen, um auf dieser Grundlage die Standorte der Dauerzählstellen zu prüfen und ggf. zu optimieren. Zur Verbesserung der Datengrundlage wurde die Zahl der Dauerzählstellen von 25 auf 31 erhöht. In einem dritten Schritt erfolgte die Ausschreibung der Zählgeräte sowie eines Kommunikationsrechners. Für die neuen Zählgeräte wurde die Möglichkeit einer elektronischen Datenübermittlung zum Kommunikationsrechner gefordert.

vergrößern Bauarbeiten an der Habichtstraße Bauarbeiten an der Habichtstraße (Bild: LSBG) Im Anschluss erfolgte die Durchführung der Bauarbeiten. Zum Einbringen der Induktionsschleifen in die Straße wird zunächst eine Nut in den Beton oder Asphalt geschnitten. Die Schleife wird in die Nut eingelegt und die Nut z.B. mit Heißbitumen ausgegossen. Zusätzlich muss ein Schaltschrank mit Steuergerät aufgestellt und mit der Induktionsschleife verbunden werden. Um zusätzliche Sperrungen und Beeinträchtigungen für die Verkehrsteilnehmer zu vermeiden, koordinierte der LSBG die Baumaßnahmen mit anderen Straßenbauarbeiten. Der Großteil der Arbeiten wurde bis Oktober 2013 beendet. Die letzte Dauerzählstelle am Wallringtunnel hat der LSBG 2015 im Zuge der Sanierung des Tunnels realisiert.

vergrößern Systemaufbau Systemaufbau (Bild: LSBG) Parallel zum Einbau der Dauerzählstellen wurde der Kommunikationsrechner aufgestellt. Dieser sammelt die Daten der Dauerzählstellen und wertet sie aus. Jede Dauerzählstelle wurde nach ihrer Fertigstellung mit dem Kommunikationsrechner verbunden.

Die Modernisierung der Dauerzählstellen schafft eine Grundlage für das Management des Straßenverkehrs. Künftige Straßenbaumaßnahmen können auf dieser Grundlage effizienter und bedarfsgerechter geplant werden.