Das Erhaltungsmanagement für Hamburgs Straßen im LSBG

Unter dem Begriff Erhaltungsmanagement werden alle Instrumente, Methoden und Maßnahmen zusammengefasst, die dazu dienen, unsere technische Infrastruktur - insbesondere Straßen und Brücken - in einem funktionsfähigen Zustand zu halten sowie die Erhaltungsmaßnahmen und den Mitteleinsatz zu optimieren.

Das Erhaltungsmanagement für Hamburgs Straßen im LSBG

Hierzu gibt es zahlreiche wissenschaftliche oder praxisorientierte Ausarbeitungen. Eine Zusammenstellung bietet z.B. der Internetauftritt der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen.

Grundlage in Hamburg ist die Stellungnahme des Senats zum Ersuchen der Bürgerschaft vom 27. März 2013 „Hamburg braucht einen Masterplan zur Sanierung von Gehwegen, Radwegen und Straßen“ (Drucksache 20/10333 vom 17.12.2013). Darin sind die Ziele, die Strategie, die Methoden und die Strukturen eines systematischen Erhaltungsmanagements für die Hauptverkehrsstraßen festgelegt.

Regelkreis

Die Arbeitsweise im Erhaltungsmanagement lässt sich sehr gut anhand eines Regelkreises erläutern.

Regelkreis EMS

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ZEB

In einem ersten Schritt werden Zustandsmerkmale wie Fahrbahnschäden, Längs- und Querunebenheiten untersucht. Nach Abschluss der Zustandserfassung beginnt die Zustandsbewertung der Straße. Zu diesem Zweck wird ein Bewertungsschlüssel angewendet, der vom Zustandswert 1 (sehr guter Zustand) bis zum Zustandswert 5 (sehr schlechter Zustand) reicht. Daraus ergeben sich der Gebrauchs- und der Substanzwert der Straße und der ggf. erforderliche Sanierungsbedarf. Der Gebrauchswert beschreibt den Zustand der Straße aus der Sicht des Nutzers, der Substanzwert beschreibt den technischen Zustand.

In Hamburg wird die ZEB regelmäßig alle zwei Jahre für die Hauptverkehrsstraßen, auch im Hafen, und die Bezirksstraßen, die eine wichtige Verbindungsfunktion erfüllen, durchgeführt. Die aktuelle ZEB stammt aus 2014. In 2016 wird es eine weitere ZEB geben, die erstmals sämtliche Hauptverkehrs- und Bezirksstraßen beinhaltet.

Die Oberflächeneigenschaften der Straße werden automatisiert nach bundeseinheitlichen Standards bei einer Befahrung mit einem Fahrzeug erfasst, das mit Sensoren und Kameras ausgestattet ist.

vergrößern Messfahrzeug zur Straßenzustandserfassung (Bild: Heller Ingenieurgesellschaft GmbH) Das Fahrzeug kann in üblicher Geschwindigkeit im Verkehrsstrom mitfahren. Es werden alle Fahrstreifen befahren und ausgewertet. Aufgezeichnet werden die Längs- und Querebenheit, Spurrinnentiefe, Risse und Flickstellen.

Die Ebenheit wird automatisiert ausgewertet und daraus der Gebrauchswert errechnet. Die Auswertung von Rissen und Flickstellen erfolgt visuell am Bildschirm zur Ermittlung des Substanzwertes. Das schlechtere Ergebnis von Gebrauchs- und Substanzwert bestimmt den Gesamtwert, der für jeweils 20 Meter lange Straßenabschnitte bestimmt wird.

Szenarien der Zustandsentwicklung und Definition der Erhaltungsstrategie

Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung eines Pavement Management Systems, welches die Grundlagen für strategische Entscheidungen liefern soll.

Der Begriff Pavement Management System (kurz PMS) beschreibt eine Datenbank, die zur systematischen Erfassung aller für die Straßenunterhaltung notwendigen Informationen eines Straßennetzes genutzt wird. Zu diesem Zweck werden die vor Ort erfassten Zustandsmerkmale (Daten) in ein EDV-System übertragen und ausgewertet. Auf Basis der prognostizierten / errechneten Entwicklung des Straßenzustands kann über Straßenerhaltungs- oder Erneuerungsmaßnahmen entschieden und so auch der Finanzbedarf für einen festgelegten Zeitraum ermittelt werden. Berücksichtigung findet auch der Anlagewert der vorhandenen Straßenbefestigung. Ziel dieses Systems ist es, die Straßenunterhaltung unter volks- und betriebswirtschaftlichen sowie technischen Aspekten zu optimieren und eine Entscheidungshilfe für weitere Maßnahmen zu bieten.

Festlegung des Bauprogramms

Aus den vorliegenden Erkenntnissen werden jährliche Bauprogramme erstellt, die einen Ausblick von fünf Jahren ermöglichen (zurzeit 2016 bis 2020). Ziel ist es dabei, die einzelnen Projekte nicht nur optimiert umzusetzen, sondern durch eine Koordinierung der Baustellen untereinander auch das Verkehrsgeschehen so gering wie möglich zu beeinträchtigen.

Im Erhaltungsmanagement wird das Bauprogramm des jeweiligen Folgejahres durch einen Lenkungskreis beschlossen.