Gewässerschutz an den Hamburger Autobahnen

Für die Verkehrssicherheit auf den Autobahnen muss das Straßenoberflächenwasser schnell abgeleitet werden, damit der Reifen-Fahrbahnkontakt auch bei hohen Geschwindigkeiten gewährleistet bleibt.

LSBG - Gewässerschutz an Autobahnen - Hamburg - FHH

 

Regenwasser auf den Straßen wird durch Schadstoffe wie z.B. Bremsenabrieb, Reifenabrieb, Rußpartikel, Öle etc. verunreinigt. In der Regel kann es breitflächig über die Bankette (unbefestigte Seitenstreifen) abgeführt werden und versickert dort. Durch die Bodenpassage wird das Straßenabwasser ausreichend gereinigt.

Wenn das Straßenabwasser durch Straßeneinläufe, Rohrleitungen und Gräben gesammelt und konzentriert den oberirdischen Gewässern zugeführt oder örtlich zur Versickerung gebracht wird, muss es zum Schutz der Gewässer gereinigt werden. Zur Anwendung kommen Absetzbecken, in denen sich absetzbare Stoffe (z.B. schadstoffbehaftete Sedimente) sammeln können, und Leichtstoffabscheider, die - z.B. durch eingebaute Tauchwände - Leichtstoffe (Öl, Benzin etc.) zurückhalten. Diese Anlagen sind so ausgelegt, dass sie in einem Havarie-Fall (z.B. eines Tanklastzuges) auch größere Leichtstoffmengen aufnehmen können.

vergrößern Offene Abwasserbehandlungsanlage in Erdbauweise an der A1 (Bild: LSBG) Das Bild links zeigt eine offene Abwasserbehandlungsanlage in Erdbauweise an der A1 / Holzhafenufer mit Sedimentationsbereich und schwimmender Leichtstoffsperre.

 

 

Auf dem Foto rechts sieht man den Einbau einer zusätzlichen Reinigungsstufe an der A7 im Jahr 2013. Die vorgefertigte Anlage aus Beton besteht aus einer Absetzanlage mit Leichtstoffrückhaltung. vergrößern Einbau einer zusätzlichen Reinigungsstufe an der A7 im Jahr 2013 (Bild: LSBG) Das vorgereinigte Straßenabwasser wird anschließend in einem Erdbecken über die belebte Bodenzone zur Versickerung gebracht. Um die Anfahrbarkeit und die Unterhaltung der Anlage zu optimieren, wurde sie unmittelbar neben dem Standstreifen gebaut. Nach der Fertigstellung werden monatlich Kontrollen durchgeführt und bei Bedarf die Entsorgung der Schadstoffe veranlasst.

In manchen Fällen reicht diese Reinigung nicht aus und es muss eine weitergehende Reinigung des Straßenabwassers erfolgen. Dann werden im vorhandenen Boden Sickergräben, -mulden oder -becken hergestellt, um die Qualität des Wassers durch Versickerung zu verbessern. Hierbei macht man sich die Filterwirkung des anstehenden Bodens und die biologische Reinigungsleistung der belebten Bodenzone (Oberbodenschicht ggf. mit zusätzlicher Röhricht-Pflanzung) mit den dort vorhandenen Mikroorganismen zunutze. In Bereichen, in denen eine örtliche Versickerung in das Grundwasser nicht möglich ist, kommen künstliche Bodenfilter zum Einsatz. Das Wasser wird hier im Regelfall in eine Beckenanlage eingeleitet, in deren Sohle sich ein bepflanzter Bodenfilter mit unterschiedlichen Korngrößen befindet. Das Wasser erfährt durch das Durchfließen des Bodenfilters eine Reinigung und wird danach in ein Gewässer eingeleitet.

vergrößern Offene Bodenfilteranlage (Bild: FHH) Das Bild links zeigt eine offene Bodenfilteranlage. Nach der mechanischen Reinigung wird das Straßenabwasser zur weiteren Behandlung in eine Bodenfilteranlage eingeleitet. Hier versickert das Wasser großflächig über eine Vegetationsschicht (Schilfzone), in der eine biologische Reinigung erfolgt.

 

An den Hamburger Autobahnen gibt es 95 Reinigungsanlagen und Rückhaltebecken. Zusätzlich zur Reinigung des Straßenabwassers ist auch die temporäre Rückhaltung von Bedeutung für den Gewässerschutz. Soweit nicht schon durch das Volumen der Absetz- und Reinigungsanlagen gegeben, werden zusätzliche Rückhaltebecken angeordnet. Die Größe richtet sich nach der Aufnahmefähigkeit des Vorfluters (Gewässer, das die Wassermenge aufnehmen soll).

Neben der Planung und dem Bau der Anlagen, die an den örtlichen Ansprüchen des Gewässerschutzes ausgerichtet sind, kommt dem Betrieb der Anlagen eine wesentliche Bedeutung zu. Regelmäßige Inspektionen, Entfernen angefallener Schadstoffe, Austausch von Filtermaterial und die Schadensbehebung im Havarie-Fall sind wichtige Verfahrensschritte, um die Funktionsfähigkeit aller Anlagen aufrechtzuerhalten.

Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer leistet durch die Planung, den Bau und den Betrieb der Straßenabwasserbehandlungsanlagen an den Autobahnen einen erheblichen Beitrag zum Gewässer- und Umweltschutz.