Rot - Gelb - Grün

Ampeln - Warum und wie?

LSBG - Straßen - Ampeln - Hamburg - FHH

Kleines Ampelkompendium

Begrüßung durch den Geschäftsführer des LSBG Hans-Jochen HinzAlle, die sich außerhalb ihrer Wohnung bewegen, nehmen zu verschiedenen Zeiten in verschiedener Art am Straßen-Verkehr teil.

Personen, die mit dem Bus fahren wollen, gehen vielleicht zu Fuß zur Bushaltestelle oder die Nutzerin bzw. der Nutzer der U- oder S-Bahn fährt mit dem Auto zum Bahnhof. Berufspendler, die mit dem Auto zur Arbeitsstelle fahren, trainieren vielleicht nach der Arbeit oder am Wochenende mit dem Rennrad oder fahren mit den Kindern auf dem Fahrrad zum Freibad.

Jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger legt pro Tag ungefähr 3 ½ Wege mit insgesamt etwas über 40 Kilometer Länge zurück und braucht dazu ungefähr 1 Stunde und 20 Minuten.

Bei all diesen Wegen, während der ganzen Zeit und in jeder seiner Rollen möchte jeder Mensch am liebsten freie Fahrt oder Wege haben - ohne lästige rote Ampeln, ohne mit dem Bus vor einer zugestauten Kreuzung warten zu müssen, ohne sich mit dem PKW durch hoch belastete und staugefährdete Straßen schieben zu müssen.

Aber ohne Ampeln geht es eben nicht.

1. Warum Ampeln?

Ampeln werden in der Regel zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder zur besseren Verkehrsabwicklung eingerichtet.

  • Verkehrssicherheit

Mit Ampeln können Verkehre aller Art –zu Fuß Gehende, Fahrrad Fahrende, Busse, Kraftfahrzeuge– an Kreuzungen, Einmündungen und Fußgängerüberwegen sicher geführt und so Unfälle vermieden werden.

  • Verkehrsqualität

Mit Ampeln können einerseits volkswirtschaftliche Kosten (z.B. hervorgerufen durch Unfälle) und andererseits die Lärm- und Abgasbelastungen für die Anwohnerschaft sowie für die Nutzerinnen und Nutzer der Verkehrswege (hervorgerufen durch Staus) gemindert werden. Verkehrssicherheit, Wartezeiten und Grünzeiten bestimmen erheblich die Verkehrsqualität einer  Kreuzung.

2. Wie werden Ampeln geplant?

In der Fachsprache wird statt von der Ampel von der Lichtsignalanlage (LSA) gesprochen. Bei jeder signaltechnischen Planung ist die Richtlinie für Lichtsignalanlagen „RiLSA“ zu Grunde zu legen.

Der Entwurf einer Ampel umfasst die verkehrstechnische Beschreibung, Berechnung der Schaltprogramme und die Entwicklung eines Knotenplanes (verkehrstechnischer Lageplan). Hierbei sollen z.B. die Führung der zu Fuß Gehenden und Fahrrad Fahrenden, die Einteilung der Zufahrten in Fahrstreifen und die Steuerung unter Berücksichtigung aller vorkommenden Verkehrsbelastungen einen sicheren Verkehrsablauf mit ausgewogenen Ampelschaltungen für alle am Verkehr Teilnehmenden, ob sie nun zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, mit dem Auto oder Bus fahren, sicherstellen.

Die Steuerung einer Ampel ist immer ein Unikat, individuell auf die jeweilige Verkehrssituation abgestimmt.

3. Ampelphasen

Es gibt an jeder Ampel drei grundsätzlich unterschiedliche Signalfolgen:

  • Freigabezeit = Grünzeit

Während der Freigabezeit darf der betroffene Verkehrsstrom (zu Fuß Gehende, Fahrrad Fahrende oder Kraftfahrzeugverkehr, ggf. gesondert signalisierte Busse) eine Kreuzung betreten bzw. in eine Kreuzung einfahren. Er muss dabei auf andere Verkehrsströme, die gleichzeitig Grün haben, Rücksicht nehmen - z.B. muss ein abbiegendes Fahrzeug ggf. anhalten, wenn eine parallel geführte Fußgängerin bzw. ein parallel geführter Fußgänger die Straße überquert, oder ein links abbiegendes Fahrzeug muss ggf. anhalten und ihm entgegen kommende Fahrzeuge durchfahren lassen.

  • Sperrzeit = Rotzeit

Während der Sperrzeit darf der betroffene Verkehrsstrom (zu Fuß Gehende, Fahrrad Fahrende oder Kraftfahrzeugverkehr) nicht in eine Kreuzung einfahren bzw. die Fahrbahn betreten.

  • Räum- und Schutzzeit

Zwischen dem Grünende für den einen Verkehrsstrom und dem Grünanfang für einen anderen Verkehrsstrom liegt immer eine von der Größe der Kreuzung und der Geschwindigkeit der Verkehrsströme abhängige Räum- und Schutzzeit (auch Zwischenzeit genannt). So werden Konflikte zwischen den Verkehrsströmen verhindert.

Begrüßung durch den Geschäftsführer des LSBG Hans-Jochen Hinz

Beispiel für einen Konfliktfall „Person zu Fuß räumt/Fahrzeug fährt ein“

Eine Fußgängerin / ein Fußgänger, oben durch den grünen Pfeil symbolisiert, die bzw. der in der letzten Sekunde ihrer bzw. seiner Grünzeit auf die Fahrbahn getreten ist, kann diese mit der eher langsamen Gehgeschwindigkeit von 1,2 Meter pro Sekunde (4,3 Kilometer pro Stunde) wieder verlassen, bevor der „Konfliktstrom“ des Fahrzeugverkehrs, oben durch den roten Pfeil symbolisiert, auf dem Überweg ankommt.

Wer in der ersten Sekunde der Grünzeit auf die Fahrbahn tritt, hat also die Grünzeit und zusätzlich die Dauer der Schutzzeit, um die Fahrbahn wieder sicher verlassen zu können. Auch Personen, die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind, haben damit eine komfortable und sichere Querungszeit zur Verfügung.

Im übrigen gilt Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung, der alle am Verkehr Teilnehmenden verpflichtet, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Der Kraftfahrzeugverkehr hat im obigen Beispiel also eine noch über die Grün- und Räumzeiten hinaus gehende Verpflichtung, im Bedarfsfall anzuhalten und zu warten!

  • „Gelbzeit“

Die „Gelbzeit“, die nach dem Grünende gezeigt wird, ist keine Ampelphase im oben beschriebenen Sinn, ermöglicht sie den Kraftfahrzeugführenden und Radfahrenden doch nur einen Anhaltevorgang, ohne abrupt abbremsen zu müssen.

Ampelphasen werden an jeder Kreuzung individuell zusammengesetzt. So kommen beispielsweise auch gesonderte Ampelphasen für Abbiegende zum Einsatz, angezeigt mit einem grün leuchtenden Abbiegepfeil. In der Zeit, in der der Abbiegepfeil grün leuchtet, muss der abbiegende Verkehrsstrom nicht mit einem „Konfliktstrom“ wie entgegenkommenden Fahrzeugen oder die Kreuzung überquerenden Radfahrenden rechnen. Der grün leuchtende Abbiegepfeil darf nicht verwechselt werden mit dem grünen Blechpfeil, der ein nach Rechts Abbiegen auch bei roter Ampel erlaubt, aber nur in besonderer Situation und mit Rücksichtnahmepflichten.

4. Umlauf

Der Umlauf oder die Umlaufzeit ist die Zeit, die vergeht, bis jede Ampelphase einmal durchgelaufen ist. Üblich sind Umläufe von 90 Sekunden, es kommen aber auch kürzere und in Einzelfällen längere Umläufe zur Anwendung. Längere Umläufe erhöhen die Leistungsfähigkeit, kürzere Umläufe verkürzen die Wartezeit, bis man „wieder dran ist“.

5. Besonderheiten der Signalisierung

  • Fußgängerinnen und Fußgänger

Auch bei hoch belasteten Kreuzungen soll die Wartezeit für Fußgängerinnen und Fußgänger in der Regel 80 Sekunden nicht überschreiten.

Die Grünzeiten sollen so lang sein, dass zu Fuß Gehende mit einer Gehgeschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde mindestens zwei Drittel der Fahrbahn bei Grün überqueren können.

Grünzeiten an Straßen mit Mittelinsel sollen so eingerichtet sein, dass die gesamte Straße in einem Zuge, d.h. ohne Halt auf der Mittelinsel, überquert werden kann.

In begründeten Ausnahmefällen, z.B. bei sehr hoch belasteten oder sehr komplizierten mehrarmigen Kreuzungen, muss von diesen Vorgaben manchmal abgewichen werden.

  • Sehbehinderte

Für sehbehinderte Personen werden akustische Signalgeber montiert. In der Regel fordern Sehbehinderte ihre Freigabe mittels Taster an, der sich auf der Unterseite der Anforderungskästen befindet. An den Tastern sind Richtungspfeile  ertastbar, die den Sehbehinderten zusätzlich zur akustischen Freigabe die Laufrichtung anzeigen. Die Sehbehinderten erhalten die gleiche Freigabezeit wie die Sehenden.

  • Radfahrerinnen und Radfahrer

Werden Fahrrad Fahrende auf der Fahrbahn im Mischverkehr mit den Kraftfahrzeugen geführt, gelten für sie dieselben Ampelsignale wie für Kraftfahrzeuge. Die Räumzeiten werden dann für den Fahrradverkehr und nicht für den (schnelleren) Kraftfahrzeugverkehr bemessen.

Haben Fahrrad Fahrende einen eigenen Radfahrstreifen, gibt es entweder ein gesondertes Radfahrsignal oder es gilt das Kraftfahrzeugsignal. Die Grün- und Räumzeiten werden auch in diesem Fall für den Fahrradverkehr und nicht für den (schnelleren) Kraftfahrzeugverkehr bemessen.

Für gesonderte Radwege gibt es entweder ein gesondertes Radfahrersignal oder ein kombiniertes Radfahrer-/Fußgängersignal. Die Grün- und Räumzeiten werden bei Kombisignalen für den Fußgängerverkehr und nicht für den (schnelleren) Radverkehr bemessen.

6. Steuerung der Anlagen

Hamburg hat ca. 1.760 Ampeln, davon ca. 1.190 an Kreuzungen und ca. 570 an Fußgängerüberwegen. Ca. 1.640 der Ampeln sind an 11 Verkehrsrechner angeschlossen und lassen durch Synchronisierung koordinierte Abläufe untereinander zu. Ca. 1.630 Ampeln sind verkehrsabhängig gesteuert. Ca. 10 Ampeln beinhalten dabei auch eine Absicherung von unmittelbar angrenzenden, integrierten Bahnübergängen.

  • Festzeitsteuerung

Die Festzeitsteuerung ist die einfachste Form einer Steuerung. Hierfür werden die Ergebnisse der verkehrstechnischen Berechnungen in einem Signalprogramm dargestellt. Es können auch in einer Anlage verschiedene Festzeitsteuerungen tageszeitenabhängig und damit angepasst an tageszeitlich verschiedene Verkehrs­belastungen verwendet werden.

  • Verkehrsabhängige Steuerung

Jeder, der am Verkehr teilnimmt, bekommt nur so viel „Grün“wie benötigt.

Fahrzeuge lösen „Grün“ durch Befahren eines Detektors aus. (Manchmal ist die Lage einer Detektorschleife als dünne schwarze viereckige Linie vor dem Haltebalken zu erkennen, manchmal liegt die Schleife nicht erkennbar unter dem Asphalt, manchmal kommen Detektoren oberhalb der Fahrbahn zum Einsatz, z.B. Videodetektoren.) Wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug bereits Grün ausgelöst hat, kann man unmittelbar durchfahren. Sonst muss das Fahrzeug zumindest kurz anhalten, bis das Grün geschaltet ist. An vielen Stellen erhält man außerhalb der Verkehrsspitzenzeiten unabhängig von der Umlaufzeit sehr kurzfristig Grün, wenn kein anderes Fahrzeug Grün angefordert hat.

Zu Fuß Gehende lösen „Grün“ mittels Betätigung eines Tasters an der Ampel aus. Es befinden sich Geräte in der Erprobung, die zu Fuß Gehende und Fahrrad Fahrende optisch erfassen und die Schaltung der entsprechenden Grünzeit auslösen können. An vielen Stellen erhält man außerhalb der Verkehrsspitzenzeiten sehr kurzfristig Grün, wenn keine andere Verkehrsteilnehmerin / kein anderer Verkehrsteilnehmer Grün angefordert hat.

Fahrrad Fahrende lösen „Grün“ mittels Taster aus, wenn sie nicht mit dem Kraftfahrzeugverkehr auf der Fahrbahn geführt werden. Auf der Fahrbahn lösen sie ihr „Grün“ ebenfalls über die Detektoren für den Kraftfahrzeugverkehr aus.

  • Grüne Welle

Grüne Wellen funktionieren meistens nur in eine Richtung. In beide Fahrtrichtungen funktionieren sie  nur dann, wenn alle Ampeln immer den gleichen Abstand voneinander haben. Deshalb werden entsprechend der Hauptbelastung Prioritäten gesetzt, morgens in der Regel stadteinwärts und nachmittags stadtauswärts.

Die Grüne Welle unterliegt oft äußeren Einflüssen, die zu Behinderungen, Störungen oder Blockierungen im Verkehrsablauf führen können, wie z.B.

  • Halten in zweiter Reihe,
  • hohes Verkehrsaufkommen,
  • Unfälle / Feuerwehreinsätze,
  • Stadtreinigung / Müllabfuhr,
  • Blockieren von Kreuzungen,
  • Baustellen,
  • zu hohe bzw. geringe Geschwindigkeiten.

Grüne Wellen, die sich kreuzen, lassen manchmal nur unbefriedigende Koordinierungen zu, da beide kreuzenden Verkehrsströme angemessen berücksichtigt werden wollen.

  • Besonderheiten

An manchen Ampeln erhalten zu Fuß Gehende oder Fahrrad Fahrende nicht automatisch Grün, wenn der parallel verlaufende Kraftfahrzeugstrom Grün bekommt. Begrüßung durch den Geschäftsführer des LSBG Hans-Jochen HinzDie zur Sicherheit von Menschen, die zu Fuß gehen oder Rad fahren, notwendigen Grün- und Räumzeiten sind deutlich länger als die entsprechenden Zeiten für den Kraftfahrzeugverkehr. An Kreuzungen mit einem hohen Aufkommen von Kraftfahrzeugen und einem sehr niedrigen Aufkommen von zu Fuß Gehenden oder Fahrrad Fahrenden müssen und können die langen Grün- und Räumzeiten manchmal eingespart und anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Dieses Verfahren wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt und nur da, wo es in der Summe allen am Verkehr Teilnehmenden nützt.

 

Hoffentlich hat diese kleine Erläuterung Ihnen geholfen zu verstehen, warum es Ampeln geben muss und wie sie funktionieren.

Wir können hier nicht alle Besonderheiten erklären und auf alle Eventualitäten hinweisen. Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie uns gerne eine Mail an Ampel@LSBG.Hamburg.de. Wir werden versuchen, Ihre Fragen zu beantworten bzw. auf Ihre Anregungen einzugehen.

Und – wie sagte der Redakteur der „ZEIT“ Henning Susebach in unserer Planungswerkstatt Lichtsignalanlagen am 17.9.2011:

Wenn ich gerade Rot habe – dann hat jemand anders Grün!

Und:

Es ist gar nicht immer Rot, wenn ich an eine Kreuzung komme.
Ich bemerke das Grün nur nicht, weil es mich nicht so freut, wie das Rot mich ärgert.