Instandsetzung und Nachrüstung des Wallringtunnels

Der Wallringtunnel wurde in den Jahren 1963 bis 1966 erbaut. Der 550 Meter lange Tunnel  verbindet die Kreuzungen Ferdinandstor und Deichtorplatz und entlastet den parallel zum Hauptbahnhof verlaufenden Straßenzug Glockengießerwall - Steintorwall - Klosterwall. Derzeit wird er als erster innerstädtischer Tunnel brandschutztechnisch ertüchtigt und auf den neuesten Sicherheitsstandard nach der Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT) gebracht.

Wallringtunnel - Instandsetzung und Nachrüstung - Hamburg - FHH

 

Seit Mitte September 2014 hat der LSBG nachts und am Wochenende vorbereitende Arbeiten durchgeführt. Dazu gehörten der Abbruch der Schallschluckdecke und der Fliesen an den Wänden des Straßentunnels, um den Zustand des Betonbauwerkes vollständig überprüfen zu können. vergrößern Abbruch der Fliesen Abbruch der Fliesen (Bild: Simons / LSBG) Außerdem wurden die Natursteinplatten an den Rampenstützwänden und den Rampenmittelbauwerken demontiert. Im Zuge der Abbrucharbeiten wurden auch Gefahrstoffe entfernt und freigelegte Fugen saniert. Die vorhandene Tunnelbeleuchtung wurde demontiert und für die Dauer der Bauzeit durch eine provisorische Beleuchtung ersetzt. Dies war erforderlich, um die neu zu installierenden betriebstechnischen Anlagen in der endgültigen Lage anbringen zu können.

Seit Mitte Januar 2015 läuft der Umbau mit folgenden Bauarbeiten:

Umbau der rund 120 m langen Nordrampe am Ferdinandstor (Fahrspurerweiterung, Anhebung der Rampe, Erneuerung der Entwässerung) sowie Herstellung von neuen Schilderbrücken

Bei dem Umbau der Kreuzung Ferdinandstor (2015 bis 2016) wurden mehrere Fahrbeziehungen ergänzt oder optimiert. Sie sollen dafür sorgen, die Verkehrssituation im Tunnel zu verbessern. Es entstanden weitere Abbiegemöglichkeiten Richtung Binnenalster (Ballindamm) und Außenalster. Um diese Fahrbeziehungen realisieren zu können, mussten die Trogrampe Nord des Wallringtunnels verkürzt und die Fahrspuren auf das Fahrbahnniveau des Glockengießerwalls angehoben werden. Die Rampe zum Ferdinandstor erhielt eine neue Entwässerungsanlage. Des Weiteren wurden die Fahrbeziehungen am Ferdinandstor an mehreren neuen Verkehrszeichenträgern ausgeschildert.

Umbau der rund 240 m langen Südrampe am Deichtorplatz (Rückbau der Busspur, Fahrspurerweiterung) sowie Abbruch der vorhandenen zwei Schilderbrücken und Neubau einer Schilderbrücke

Für eine spätere Umgestaltung des Deichtorplatzes ist das Leistungsvermögen der Fahrbeziehungen aus dem Wallringtunnel Richtung Süden entscheidend. Da die ehemalige Straßenbahn- bzw. Busrampe in der Mitte des Tunnels nicht mehr erforderlich war, wurden die Stützwände der Busrampe abgebrochen und die zugehörige Aufschüttung abgegraben. Der hierbei gewonnene Platz ermöglichte zwei zusätzliche Aufstell- und Abbiegespuren vor dem Deichtorplatz. Auch die Südrampe erhielt eine neue Entwässerungsanlage. Aufgrund der veränderten Verkehrssituation wurden die vorhandenen zwei Schilderbrücken abgebrochen und durch eine neue Schilderbrücke ersetzt.

Erneuerung der Fahrbahnen und Nebenflächen in den Tunnelröhren und den Rampen

vergrößern Bisheriger Tunnelquerschnitt Bisheriger Tunnelquerschnitt (Bild: LSBG) Neben dem Straßenbau in den Rampen für die neuen Fahrbeziehungen (siehe oben) musste auch die Fahrbahn im Wallringtunnel vollständig erneuert werden. Um die neue Tunnelentwässerung mit Schlitzrinnen sicherzustellen, vergrößerte der LSBG die einseitige Querneigung der Fahrbahn von 1,5 auf 2,5 Prozent. Hieraus folgte auch eine Verschiebung der Fahrbahn in Querrichtung mit einer Änderung der Notgehwegbreiten, da sonst das Lichtraumprofil im Tunnel nicht eingehalten würde. vergrößern Neuer Querschnitt Neuer Querschnitt (Bild: LSBG) Es muss ein Mindestabstand zu der Tunneldecke und den Betriebstechnischen Einrichtungen in den oberen Tunnelecken bestehen.

Komplette Erneuerung der Entwässerungsanlagen in den Tunnelröhren mit Schlitzrinnen

Eine elementare Forderung der RABT ist die sofortige Ableitung von brennbaren Flüssigkeiten im Havariefall. Dafür sorgt im Wallringtunnel nun eine durchgehende Schlitzrinne am Fahrbahnrand, die die bisherige Entwässerungseinrichtung ersetzt. Sie gibt Flüssigkeiten über Siphons in das neue Entwässerungsnetz ab. So können brennbare Flüssigkeiten viel schneller aufgenommen und abtransportiert werden und ein Brand im Entwässerungssystem ist ausgeschlossen.

Herstellung eines Pumpwerkes je Tunnelröhre für die Tunnelentwässerung

Der Wallringtunnel überquert die U-Bahn-Tunnel der Linien 1, 2 und 3. Der Abstand zum Tunnel der Linie U3 beträgt nur wenige Zentimeter, so dass keine durchgehende Entwässerungsleitung vom Deichtorplatz bis zum Ferdinandstor möglich ist. Im Bereich des U-Bahn-Tunnels wurde in jeder Tunnelröhre ein Pumpwerkschacht mit parallelen und somit redundanten Pumpen gebaut, um das anfallende Wasser jederzeit über den U-Bahn-Tunnel hinweg pumpen zu können.

Die Straßenbau- und Entwässerungsarbeiten wurden komplett in Nachtschichten durchgeführt, lediglich im Sommer 2015 wurde der Tunnel voll gesperrt. In dieser Zeit führte der LSBG parallel Arbeiten für die Maßnahmen Wallringtunnel, Ferdinandstor und Lombardsbrücke durch.

Nachrüstung des baulichen Brandschutzes

Seit Ende 2016 wurde die Betonoberfläche im Tunnelinneren so aufgeraut, dass der Spritzbeton, der zur Zeit aufgebracht wird, sich gut mit der vorhandenen Bausubstanz verbindet. Seit Anfang 2017 sind rund um die Uhr Spritzkolonnen im Einsatz und bringen etwas mehr als 4 cm Beton auf. Insgesamt müssen 21.000 Quadratmeter Betonfläche bearbeitet werden. Nach Abschluss dieser Arbeiten ist das vorhandene Bauwerk im Brandfall dauerhaft geschützt. Die Oberfläche der Tunnelwände wird dann noch versiegelt, damit sie die Tunnelbeleuchtung gut reflektiert und einfach zu reinigen ist.

Einbau der Sicherheitstechnik

Im Frühling 2017 beginnt der Einbau der neuen Sicherheitstechnik in den Betriebsräumen, die sich zwischen den Tunnelröhren befinden. Die Feuerlöschleitung wird modernisiert und mit einer Rohrbegleitheizung ausgestattet. Im Betriebsgang installiert der LSBG eine neue Belüftung und neue Störfalldetektion. Die neue technische Anlage wird mit einer Lichtwellenleiterverbindung an die Elbtunnelbetriebszentrale angeschlossen, von wo aus der Wallringtunnel in Zukunft überwacht wird.

Die Arbeiten finden zunächst in der Oströhre statt, der Verkehr in beide Richtungen fließt durch die Weströhre. Von Mai bis November 2017 wird dann in der Weströhre gearbeitet und der Verkehr durch die Oströhre geführt. Im Sommer 2018 ist eine zweiwöchige Vollsperrung geplant, in der der vollständige Test der Sicherheitseinrichtungen erfolgt. Nach erfolgreichem Abschluss des Tests kann die endgültige Freigabe der Tunnelröhren und der neuen Verkehrsführung erfolgen.

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