Neubau der Hochwasserschutzwand Niederhafen

Der LSBG erneuert die Hochwasserschutzanlage Niederhafen. Auf einer Länge von 625 Metern entsteht zwischen den St. Pauli-Landungsbrücken und dem Baumwall eine neue Hochwasserschutzanlage. Die Schutzhöhe der bisherigen Anlage liegt auf NN +7,20 Meter. Die Ausbauhöhen betragen im östlichen Abschnitt der neuen Anlage NN +8,60 Meter und im westlichen Abschnitt NN +8,90 Meter. Die Bauarbeiten begannen Ende Mai 2012 am Baumwall. Der 1. Bauabschnitt ist seit Ende 2015 fertiggestellt, die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist für Ende 2018 vorgesehen.

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LSBG - Neubau Hochwasserschutzanlage Niederhafen - Hamburg - FHH

Die Hochwasserschutzanlage Niederhafen befindet sich in exponierter Lage. Auf ihr verläuft die bekannteste Hafenpromenade der Stadt. Die Promenade verbindet die St. Pauli-Landungsbrücken mit der historischen Speicherstadt sowie der HafenCity und gewährt den Ausblick auf die Elbe, den Hafen und die Elbphilharmonie. 

Der städtebaulichen Bedeutung des Standorts entsprechend war die Maßnahme Teil der Architekturolympiade Hamburg 2006. Die Planung für den Neubau folgt dem prämierten Gestaltungsentwurf des Architekturbüros Zaha Hadid Architects. Der Entwurf hat den zentralen Ansatz, die Promenade im übertragenen Sinn zum städtischen Umfeld und zum Wasser zu öffnen. Dazu werden versetzt entlang der Anlage sowohl zur Wasser- als auch zur Landseite hin kegelförmige Treppen und Rampen gebaut. Die Passanten auf der Straßenebene haben so die Sicht auf die Flaneure auf der Promenade und die Masten und Aufbauten der Schiffe im Niederhafen. Von der Promenade aus kann man den freien Blick in den Hafen, zu den Hafenfähren, den Schiffen Cap San Diego und Rickmer Rickmers genießen.

vergrößern Hochwasserschutzanlage Niederhafen im Dezember 2014 Hochwasserschutzanlage Niederhafen im Dezember 2014 (Bild: LSBG) Im Straßengeschoss der Anlage wird der bestehende Raum für den Bau einer Parkgarage genutzt. Entlang des Gehweges sind einige Ladenflächen vorgesehen.

Durch ein Restaurant, ein Café, die landseitigen Ladenflächen und die besondere Form der Treppen entsteht zur Stadtseite eine ansprechende Fassade. Straßenseitig wird entlang des Bauwerks durchgehend ein Gehweg angelegt. Für Radfahrer mit Fahrtrichtung Innenstadt gibt es einen gesonderten Radfahrstreifen. Rampen in Höhe Baumwall, Überseebrücke und Landungsbrücken binden die Anlage barrierefrei an das Straßenniveau an.

Baudurchführung

Der Bau der Anlage ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der erste Bauabschnitt erstreckt sich über eine Länge von 320 Metern vom U-Bahnhof Baumwall bis zum Rundbunker und ist seit Ende 2015 fertiggestellt. Der zweite Bauabschnitt reicht mit einer Länge von 275 Metern vom Rundbunker bis zum Anschluss an die Hochwasserschutzanlage Landungsbrücken und ist seit Ende 2015 im Bau.

Der Bauablauf im ersten und zweiten Bauabschnitt ist prinzipiell gleichartig.

Die neue Hochwasserschutzwand wird 4 bis 7,5 Meter vor der alten Hochwasserschutzwand gebaut. Die Promenade rückt also etwas weiter in die Elbe hinein. Um wasserseitig Baufreiheit für den Neubau der Hochwasserschutzanlage zu haben, mussten im ersten Bauabschnitt Zugangsbrücken zu den wasserseitigen Anliegern (Cap San Diego, City Sporthafen, Restaurantschiff, Barkassenbetrieb) ausgebaut und durch Behelfsbrücken ersetzt werden. Im zweiten Bauabschnitt wurde zunächst die wasserseitige Pontonanlage ausgeschwommen und sämtliche Dalben wurden gezogen.

Im Schutze der Bestandshochwasserschutzwand wurde die landseitige Anlage so weit abgebrochen, dass eine Kampfmittelsondierung unter der bestehenden Anlage durchgeführt werden konnte. Durch den großflächigen Kampfmittelverdacht und das erforderliche enge Untersuchungsraster waren hier über beide Bauabschnitte ca. 3.700 Bohrungen mit etwa 39.000 Bohrmetern erforderlich. Es wurden keine Kampfmittel gefunden und die untersuchten Flächen konnten daher freigegeben werden.

vergrößern Abbruch- und Großbohrpfahlarbeiten Abbruch- und Großbohrpfahlarbeiten (Bild: LSBG) Parallel dazu wurden wasserseitig der alten Wand mit Geotextil ummantelte Stopfsäulen als Bodenverbesserung in einem Raster von 2,5 Metern in den Untergrund eingebaut sowie die Spundbohlen für die neue Hochwasserschutzwand erschütterungsarm eingebracht. Über beide Bauabschnitte wurden ca. 2.800 Tonnen Spundwandstahl verbaut.

Nach Einbau der Spundbohlen wurden von der Wasserseite aus insgesamt 249 Schräganker zur Rückverankerung der neuen Wand durch die Spundwand in den dahinter anstehenden Baugrund eingebohrt und mit Zement verpresst. Anschließend begannen die Stahlbetonarbeiten, und die neue Hochwasserschutzwand wurde auf die Spundwände aufgesetzt. Nach Fertigstellung der neuen Hochwasserschutzwand konnte dann auch die alte Wand abgebrochen werden.

Nachdem der Hohlraum unterhalb der alten Sohlplatte mit Sand verfüllt war, erfolgten nun die Bohrpfahlarbeiten, da die gesamte Anlage auf Grund der Untergrundverhältnisse tief zu gründen war. Es wurden im ersten Bauabschnitt 310 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern hergestellt. Hierzu wurde bis zu 20 Meter tief gebohrt, Bewehrungskörbe wurden eingeführt und die Bohrungen dann ausbetoniert. Parallel dazu erfolgten die Arbeiten an den im Baufeld integrierten Sonderbauwerken Baumwallsperrwerk und Dükerquerung Kuhmühlenstammsiel. Im zweiten Bauabschnitt sind 260 Bohrpfähle vorgesehen.

vergrößern November 2013 - Bewehrungsstahl der künftigen Decke Bewehrungsarbeiten an der Promenadendecke im Bereich der wasserseitigen Treppe 8 (Bild: LSBG) Nach Abschluss der Bohrpfahlarbeiten wurden die neue Stahlbetonsohle und im Anschluss daran die Wände und die Decke betoniert. Für das Bauwerk wurden im ersten Bauabschnitt 12.000 Kubikmeter Stahlbeton verbaut. Im zweiten Bauabschnitt werden weitere 11.000 Kubikmeter hergestellt. Über beide Bauabschnitte werden dabei 4.500 Tonnen Betonstahl als Bewehrung verwendet.

Die großflächigen Treppenkegel sind aus einzelnen Fertigteilstufen zusammengesetzt, die aufgrund ihrer geometrisch anspruchsvollen Formen kompliziert in der Herstellung und im Einbau sind. Über beide Bauabschnitte sind 4.400 Fertigteilstufen mit Gewichten von bis zu 4 Tonnen vorgesehen bzw. bereits eingebaut.

Zur Verblendung der Wände sowie als Promenadenbelag wurden und werden über beide Bauabschnitte etwa 14.000 Quadratmeter Basaltsteine verlegt.

Auf der Straßenebene werden großzügige Nebenflächen vor der Hochwasserschutzanlage hergestellt. Dazu musste die Straße Vorsetzen in Richtung U-Bahn-Viadukt verschwenkt und neu aufgebaut werden. Entlang der Gehwege entsteht auf der Straße ein neuer Radfahrstreifen. Der erste Bauabschnitt zwischen U-Bahnhof Baumwall und dem Rundbunker wurde mit Beendigung des Straßenbaus Ende Oktober 2015 fertiggestellt.

Seit Oktober 2015 werden die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt ausgeführt. Um Platz für den Baubetrieb zu schaffen, wurde die Straße temporär zum Viadukt hin verlegt. Der so neu geschaffene Fahrstreifen entlang des U-Bahn-Viadukts bleibt für die komplette Bauzeit dem Straßenverkehr vorbehalten. Der Verkehr kann so einstreifig an der während der Bauzeit gesperrten Hauptfahrbahn vorbei geführt werden. Die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt sollen bis Ende 2018 fertiggestellt werden.

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