Neubau der Hochwasserschutzwand Niederhafen

Der LSBG erneuert die Hochwasserschutzanlage Niederhafen. Auf einer Länge von 625 m entsteht zwischen den St. Pauli-Landungsbrücken und dem Baumwall eine neue Hochwasserschutzanlage. Die Schutzhöhe der bisherigen Anlage liegt auf NN +7,20 m. Die Ausbauhöhen betragen im östlichen Abschnitt der neuen Anlage NN +8,60 m und im westlichen Abschnitt NN +8,90 m. Die Bauarbeiten begannen Ende Mai 2012 am Baumwall.

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LSBG - Neubau Hochwasserschutzanlage Niederhafen - Hamburg - FHH

 

Die Hochwasserschutzanlage Niederhafen befindet sich in exponierter Lage. Auf ihr verläuft die bekannteste Hafenpromenade der Stadt. Die Promenade verbindet die St. Pauli-Landungsbrücken mit der historischen Speicherstadt sowie der HafenCity und gewährt den Ausblick auf die Elbe, den Hafen und die Elbphilharmonie.

Aufgrund der städtebaulichen Bedeutung des Standorts wurde von Beginn an großer Wert auf die Gestaltung der Hochwasserschutzanlage am Niederhafen gelegt. Zu Beginn der Planung hat die Freie und Hansestadt Hamburg daher einen Wettbewerb im Rahmen der Architekturolympiade Hamburg 2006 ausgerichtet. Die städtebaulichen Anforderungen für die Entwürfe lauteten: „Im Ergebnis soll an exponierter Lage innerhalb Hamburgs zusätzlich zum Hochwasserschutz eine attraktive Promenade entwickelt werden, die den vielfältigen Nutzungen gerecht wird, als hochwertige Wegeverbindung fungiert, zahlreiche Anschlusspunkte generiert und zugleich stadtbildprägend ist.“

Die Planung für den Neubau folgt dem prämierten Gestaltungsentwurf des Architekturbüros Zaha Hadid Architects. Der Entwurf hat den zentralen Ansatz, die Promenade im übertragenden Sinn zum städtischen Umfeld und zum Wasser zu öffnen. Dazu werden versetzt entlang der Anlage sowohl zur Wasser- als auch zur Landseite hin kegelförmige Treppen und Rampen gebaut. Die Passanten auf der Straßenebene haben so die Sicht auf die Flaneure auf der Promenade und die Masten und Aufbauten der Schiffe im Niederhafen. In den Treppenkegeln zur Wasserseite werden Sitzmöglichkeiten integriert. Von dort kann man den freien Blick in den Hafen, zu den Hafenfähren, den Schiffen Cap San Diego und Rickmer Rickmers genießen.

vergrößern Hochwasserschutzanlage Niederhafen im Dezember 2014 Hochwasserschutzanlage Niederhafen im Dezember 2014 (Bild: LSBG) Unterhalb der Promenade wird der bestehende Raum für den Bau einer Parkgarage genutzt. Entlang des Gehweges werden einige Laden- und Gastronomieflächen ins Bauwerk integriert.

Durch die landseitigen Ladenflächen im Bauwerk, die Zugänge zur Parkgarage und die besondere Form der Treppen wird zur Stadtseite eine ansprechende Fassade entstehen. Straßenseitig wird entlang des Bauwerks durchgehend ein Gehweg angelegt. Für Radfahrer mit Fahrtrichtung Innenstadt gibt es einen gesonderten Radfahrstreifen. Rampen in Höhe Baumwall und Landungsbrücken binden die Anlage barrierefrei an das Straßenniveau an.

Baudurchführung

Der Bau der Anlage ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der erste Bauabschnitt erstreckt sich über eine Länge von 320 m vom U-Bahnhof Baumwall bis zum Rundbunker, der sich ca. 60 m westlich des Überseerestaurants befindet. Der zweite Bauabschnitt reicht mit einer Länge von 275 m vom Rundbunker bis zum Anschluss an die Hochwasserschutzanlage Landungsbrücken.

Im ersten Bauabschnitt begannen die Arbeiten im April 2012.

Die neue Hochwasserschutzwand wurde 4,5 m vor der alten Hochwasserschutzwand gebaut. Die Promenade rückt also etwas weiter in die Elbe hinein. Um wasserseitig Baufreiheit für den Neubau der Hochwasserschutzanlage zu haben, musste ein Teil der Überseebrücke zeitweise ausgebaut werden. Um den Verkehr über die Überseebrücke weiterhin zu ermöglichen, wurde eine Behelfsbrücke vom weiter westlich gelegenen Promenadenteil aus gebaut. So blieb der Überseeponton von Westen aus weiterhin erreichbar. Auch die Brücke zum City-Sporthafen musste ausgebaut und zwischengelagert werden. Hier stellte eine Behelfsbrücke von der Überseebrücke aus die Erreichbarkeit des Hafens sicher.

Die landseitigen Arbeiten begannen mit dem Abbruch der alten Anlage. Der Abbruch erfolgte im Schutz der bestehenden Hochwasserschutzwand. Die Sohle der alten Anlage und die Wand selbst blieben dazu zunächst stehen. Auf der landseitigen Fläche hinter der alten Wand war eine Kampfmittelsondierung nötig. In der alten Sohle der Parkgarage wurden in engem Raster Kernbohrungen durchgeführt. Durch diese Bohrlöcher erfolgte dann die Kampfmittelsondierung mit 15 m langen Sondierungsbohrungen. Durch das erforderliche enge Raster von 1,5 m waren hier 2300 Bohrungen mit insgesamt 29.000 Bohrmetern notwendig.

vergrößern Januar 2013 - Wasserseitige Bauarbeiten Blick auf die Behelfsbrücke zur Überseebrücke und auf die Baustelle aus Richtung Westen (Bild: LSBG) Parallel dazu wurden wasserseitig der alten Wand mit Geotextil ummantelte Stopfsäulen als Bodenverbesserung in einem Raster von 2,5 m in den Untergrund eingebaut. Wasserseitig wurde über eine Länge von 325 m eine Stahlspundwand eingebracht. Es wurden insgesamt 1700 t Spundbohlen erschütterungsarm eingebaut.

Nach Einbau der Spundbohlen wurden von der Wasserseite aus Schräganker zur Rückverankerung der neuen Wand durch die Spundwand in den dahinter anstehenden Baugrund eingebohrt und mit Zement verpresst. Anschließend begannen die Stahlbetonarbeiten, und die neue Hochwasserschutzwand wurde auf die Spundwände aufgesetzt. Nach Fertigstellung der neuen Hochwasserschutzwand konnte dann auch die alte Wand abgebrochen werden.

Nachdem der Hohlraum unterhalb der alten Sohlplatte mit Sand verfüllt war, erfolgten nun die Bohrpfahlarbeiten, da die gesamte Anlage auf Grund der Untergrundverhältnisse tief zu gründen war. Es wurden 310 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 cm ausgeführt. Hierzu wurde bis zu 20 m tief gebohrt, Bewehrungskörbe wurden eingeführt und die Bohrungen dann ausbetoniert. Parallel dazu erfolgten die Arbeiten an den im Baufeld integrierten Sonderbauwerken Baumwallsperrwerk und Dükerquerung Kuhmühlenstammsiel. Das Baumwallsperrwerk wurde - angepasst an die neue Linienführung der Wand - verlängert und in diesem Zuge saniert. Die Querung des 100 Jahre alten Doppeldükers machte auf Grund von im Boden aufgefundenen Altgründungen eine Umplanung und Verschwenkung der Hochwasserschutzlinie erforderlich.

vergrößern November 2013 - Bewehrungsstahl der künftigen Decke Bewehrungsarbeiten an der Promenadendecke im Bereich der wasserseitigen Treppe 8 (Bild: LSBG) Nach Abschluss der Bohrpfahlarbeiten wurden die neue Stahlbetonsohle und im Anschluss daran die aufgehenden Wände und die Decke betoniert. Für das Bauwerk wurden 12.000 m³ Stahlbeton und 2600 t Betonstahl verbaut.

Die Stahlbetonfertigteiltreppen stellten auf Grund Ihrer geometrisch anspruchsvollen Form eine besondere Herausforderung an das Fertigteilwerk und die Mannschaft vor Ort dar. Parallel dazu entstand die Mauerwerksfassade auf der Wasser- und Landseite. Landseitig wurde die Mauerwerksfassade durch insgesamt 11 Portale ergänzt, die als Stahl-Glas-Fassade oder Lamellenfassade ausgebildet sind.

Nach Fertigstellung der Treppen erhielt die Promenade ihr Pflaster aus insgesamt 4300 m² Basaltstein, und es wurden die Geländer gebaut.

Auf der Straßenebene wurden großzügige Nebenflächen vor der Hochwasserschutzanlage hergestellt. Dazu musste die Straße Vorsetzen in Richtung U-Bahn-Viadukt verschwenkt und neu aufgebaut werden. Entlang der Gehwege entstand auf der Straße ein neuer Radfahrstreifen. Der erste Bauabschnitt zwischen U-Bahnhof Baumwall und dem Rundbunker wurde mit Beendigung des Straßenbaus Ende Oktober 2015 fertiggestellt.

Im Oktober 2015 hat der zweite Bauabschnitt begonnen. Um Platz für den Baubetrieb zu schaffen, wurde die Straße temporär zum Viadukt hin verlegt. Der so neu geschaffene Fahrstreifen entlang des U-Bahn-Viadukts bleibt für die komplette Bauzeit dem Straßenverkehr vorbehalten. Der Verkehr kann so einstreifig an der während der Bauzeit gesperrten Hauptfahrbahn vorbei geführt werden. Die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt sollen bis Ende 2018 fertiggestellt werden.

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