Neubau der Hochwasserschutzwand Billhafen

Die Hochwasserschutzwand Billhafen verläuft am östlichen Ufer des Hafenbeckens Billhafen in Hamburg-Rothenburgsort. Eine gewerbliche Nutzung des Hafenbeckens findet nicht mehr statt. Das Hafenbecken ist verschlickt und fällt beim Mittleren Tideniedrigwasser (MTnw, NN -1,53 m) in weiten Teilen trocken. Die bis zum Beginn der Arbeiten 2010 vorhandene Hochwasserschutzwand wurde 1970 mit einer Höhe von NN + 7,00 m erbaut. Später wurde ein 20 cm hoher Stahlaufsatz auf die Wand montiert, so dass sie 2010 NN + 7,20 m hoch war. Von Mai 2010 bis Sommer 2014 wurde die öffentliche Hochwasserschutzanlage Billhafen mit einer Gesamtlänge von ca. 720 m auf NN + 7,90 m neu gebaut, da eine weitere Erhöhung der alten Anlage nicht möglich war. Die Maßnahme bildet den Lückenschluss zwischen den bereits verstärkten Abschnitten Großmarkt im Westen und Billwerder Neuer Deich / Haken im Osten.

Billhafen - Hochwasserschutzwand - Hamburg - FHH

 

Die neue Hochwasserschutzwand wurde wasserseitig mit einem mittleren Abstand von 8,0 m zur heutigen Uferlinie errichtet. Die Vorbaumaße haben sich aufgrund der Besonderheiten der vorhandenen Konstruktionen und deren Gründungen ergeben. vergrößern Regelquerschnitt HWS-Wand Regelquerschnitt (Bild: LSBG) Das neue Schutzsystem besteht aus einem winkelförmigen Stahlbetonüberbau, gegründet auf einer bzw. zwei Reihen lotrechten Pfählen, wasserseitiger kombinierter Spundwand und einer Schrägverankerung aus Bohrverpresspfählen (siehe Regelquerschnitt).

Eisenbahnüberführungen

Der Billhafen und der Oberhafenkanal werden von drei Eisenbahnüberführungen überquert. Bei diesen handelt es sich zum einen um die vielbefahrene zweigleisige Strecke der Hamburger S-Bahn mit einem durchschnittlichen täglichen Gesamtverkehr (beide Richtungen) von ca. 375 S-Bahnzügen. Als zweite ist die zweigleisige Güterbahnstrecke zu nennen, auf der an einem durchschnittlichen Werktag ca. 140 Güterzüge verkehren. Als dritte kreuzt noch die eingleisige Strecke Berlin - Hamburg-Altona das Hafenbecken. Auf diesem Streckenabschnitt fahren täglich ca. 50 Züge. Durch die Maßnahme sind zwei wasserseitige Brückenpfeiler der Bahn betroffen; beide werden von der neuen HWS-Linie landseitig eingeschlossen. Durch die Verfüllung zwischen der alten und der neuen Anlage waren Setzungen zu erwarten.

Durchführung der Bauarbeiten

Die Arbeiten erfolgten weitgehend von der Wasserseite aus, mit Ausnahme der Arbeiten am Löschplatz Billhafen. Zuerst wurde die Spundwand entlang der Billhorner Brückenstraße eingebracht. Dies war erforderlich, damit die nachfolgenden Arbeiten der Baumaßnahme zur Grundinstandsetzung der Billhorner Brückenstraße stattfinden konnten. Im Bereich des Löschplatzes Billhafen musste zur Vorwegnahme der zu erwartenden Setzungen eine Vorbelastungshalde hergestellt werden. Die Liegezeit der Vorbelastungshalde betrug 180 Tage.

Parallel zu diesen Arbeiten wurden Sensoren an den weiter westlich liegenden Brückenpfeilern befestigt und eine messtechnische Anlage zur Überwachung von Lageveränderungen installiert. In einer Vorlaufphase von vier Wochen wurde die Größenordnung der äußeren Einflüsse (z. B. Tide, Temperatur, Verkehr) auf die Brückenbauwerke festgestellt. Während dieser Zeit durfte keine Bautätigkeit im Einflussbereich der Brückenpfeiler stattfinden.

vergrößern Hochwasserschutzanlage Billhafen Juni 2014 Fertiggestellte Hochwasserschutzwand - Blick nach Westen (Bild: LSBG) Während der anschließenden Bauarbeiten wurde durch optische und akustische Warneinrichtungen sichergestellt, dass Einflüsse auf die Brückenpfeiler sofort festgestellt werden. Zuerst wurden die Spundwände um die beiden Pfeiler eingebaut, die dafür sorgten, dass der Einfluss der späteren Auffüllung auf die Fundamente der Brückenpfeiler minimiert wird. Anschließend konnte der Einbau der Spundwand und der Rückverankerung von der Wasserseite aus beginnen.

Im weiteren Verlauf der Maßnahme wurde der Zwischenraum zwischen neuer und vorhandener Konstruktion verfüllt. Im Anschluss daran wurden die lotrechten Pfähle eingebaut und mit den Arbeiten zum Betonieren des winkelförmigen Stahlbetonüberbaus begonnen. Nach Herstellung des Stahlbetonüberbaus wurde die Verfüllung oberhalb der waagerechten Stahlbetonplatte bis zur Unterkante des geplanten Straßenaufbaus hergestellt.

Im Anschluss daran folgten dann die Arbeiten zum Bau der 5,50 m breiten Deichverteidigungsstraße sowie die Landschaftsbau- und Metallbauarbeiten. Als Folge der Baumaßnahme war auch der Umbau von verschiedenen Entwässerungsanlagen erforderlich.

Die rückzubauenden Abschnitte der bestehenden Hochwasserschutzanlage wurden erst nach Errichtung der neuen Anlage abgebrochen. So war der Hochwasserschutz während der gesamten Bauzeit sichergestellt. Im Bereich des Löschplatz Billhafen wurden die Bauphasen so eingeplant, dass der Hochwasserschutz gewahrt bleibt und die Zuwegung für den Gewerbebetrieb, der diese Flächen nutzt, ermöglicht wird.Hochwasserschutzwand Billhafen

Wegeverbindungen

Nach dem Umbau der Hochwasserschutzmaßnahme Billhafen steht für Radfahrer und Fußgänger eine attraktive Wegeverbindung von der Innenstadt Hamburgs bis in die Vier- und Marschlande zur Verfügung. Der Geh- und Radweg schließt im Westen an den Rad- und Fußweg entlang des Großmarktes sowie im Osten an den neu hergestellten Weg unter der Billhorner Brücke zwischen der HWS-Anlage Billhafen und Billwerder Neuer Deich / Haken an. Die Fahrrad-Freizeitrouten Nr. 5 und Nr. 6, die früher von den Deichtorhallen bis hin zu den Elbbrücken entlang stark befahrener Straßenzüge verliefen, folgen nun dem neuen Wegeverlauf entlang des Elbufers.